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Marie J. befragt Christel L.


 

Frage: Wie war denn der Rosenthaler-Herbst 1987?


 

Christel L.: Ja, ich möchte mich erst einmal vorstellen. Ich bin Christel und habe damals im Pionierhaus Pankow gearbeitet, dort, wo sich jetzt die Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtung „Landhaus“ befindet. Ich kann mich an diesen „Rosenthaler Herbst“ noch sehr genau besinnen, weil 1987 in West-Berlin und in Ost-Berlin die 750-Jahrfeier veranstaltet wurde und alles sollte immer noch ein bisschen besser sein, als es vorher war.


 


 

Frage: Und was war da so los?


 

C.L.: Viele bewährte Sachen wurden durchgeführt. Ich habe hier das Programm mitgebracht. Was wir auch in den Jahren vorher schon gemacht haben und da könnte man zum Beispiel nennen, dass ein Karussel fuhr, dass es eine Schießbude gab, dass Ballwurfspielen aufgebaut waren, dass handwerklichen und volkskünstlerischen Gegenstände zum Kauf angeboten wurden und dass für die Kleinen ein Rollerrennen stattfand. Für die Jugendlichen gab es Mopedgeschicklichkeitsfahren und auch besonders wurden immer wieder, wie jedes Jahr die historischen Postkarten und Poster von Herrn Manfred G. reißend abgenommen.


 


 

Frage: Die Postkarten sind ja jetzt eher was für ältere Leute. Gab's denn auch ganz speziell was für kleine Leute?


 

C.L.: Also für kleine Leute gab es sehr schöne Sachen wie gerade diese Ballwurfspiele und viele Angebote, die hier auf dem Gelände stattfanden. Die kleinen Menschen konnten auch auf Pferden reiten. Das haben wir ja bis heute beibehalten. Und diese vielen Kinderattraktionen wurden unterstützt durch ein Geschenk an uns. Ein bekannter Arzt aus Berlin-Buch Dr. Jakob hatte uns ein Angebot gemacht.


 


 


 


 


 

Frage: Und welches Angebot war das?


 

C.L.: Er war Radiologe und wohnte in der Tschaikowskystraße 26. Er hat über Jahre in seinem Mietshaus immer ein Kinderfest gemacht, meistens so um den Kindertag rum und hat als Freizeitbeschäftigung ganz viele lustige Tiere aus Holz gebastelt, wo man dann mit einem Ball die Tiere, diese Holzfiguren, umwerfen konnte, wo man einem Hahn die Flügel abwerfen konnte, wo zwei Kletterfiguren an einem Gerüst mit einer phantasievollen Konstruktion in die Höhe kletterten,wo in eine Matroschka in Wassereimer Wasser gefüllt wurde und wessen Eimer auf dieser Wippe dann als erster runter ging, der hatte gewonnen. Dr. Jakob hatte einen Handwagen mit einem Verdeck versehen und so sah es bei ihm ganz lustig aus. Das hatte er zehn Jahre lang wirklich sehr intensiv betrieben, aber wie es Kinder so an sich haben, werden sie größer und dann lohnt in so einem Mietshaus das nicht mehr oder aber man muss sich Neues einfallen lassen und so schenkte er uns diese Figuren, die ich eben schon beschrieben habe und die wir dann bei uns eingesetzten und viele Jahre verwendeten. Da war zum Beispiel so ein Gestell von einem Clown, der hatte den Mund weit offen und da wurden die Bälle reingeworfen. Das haben wir dann auch noch weiter entwickelt. Diese Bälle fielen in einen Sack und brauchten dann nur wieder nach vorne getragen zu werden. Es sollte in diesem Jahr alles ein bisschen schöner sein. Mit den Kinderspielen ist es noch attraktiver geworden; aber in anderer Weise wurde es überspitzt.


 


 

Frage: Und in welcher Weise?


 

C.L.: Ja man ließ sich ja noch gefallen, dass wir zum Beispiel dann hier im Pionierhaus diese kleinen Berliner Figuren als Ratestraße ausgestellt haben, wo man dann den Schusterjungen, die Berliner Blumenfrau, den Wurstmaxe, den Eckensteher und andere Orginale erraten und benennen konnte und es dann Preise dafür gab. Aber nun sollte das Ganze sehr ideologisch aufgezogen werden und dazu wurde eine Kommission von der SED-Kreisleitung eingesetzt. Die hat dann ganz andere und anders klingende Sachen in dieses Programm genommen, ich zitiere es einfach mal: Selbstdarstellung von Betrieben unseres Wahlkreises und Solidaritäts-Basar im Club der Werktätigen. Unser Dorf lag ja nahe an der Grenze, der „Rosenthaler Herbst“ begann in diesem Jahr damit, dass die „Singegruppe 13. August“ der Grenztruppen, der Kreiskulturhaus-Chor „Erich Weinert“ und der Veteranenchor aus dem Wohngebiet 8, am Sonntag die Leute begrüßen sollten. Selbst bin ich da nicht hingegangen, weil ich ja hier auf dem Gelände eingesetzt war. Ich weiß, dass an dem Sonntagvormittag die Leute alle fleißig in die Kirche gegangen sind, denn diese spielt auch immer eine sehr große Rolle beim Fest. Die Chöre kamen weniger gut an. Nur die beiden, die das organisierten, haben sich diese Darbietungen angeguckt, weil einfach kein Interesse dafür da war.

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